Auslaufender Hauptsponsorenvertrag, ein neu aufzustellender Marketingbereich und ein Haushaltsloch in Höhe von 2,5 Millionen Euro – Fußballzweitligist Karlsruher SC hat derzeit einige Baustellen zu schließen.
Paul Metzger ist in seinem Hauptberuf eigentlich Bürgermeister. Derzeit beschäftigen ihn jedoch vor allem seine neuen Aufgaben als Präsident des Karlsruher SC. Neben dem Rechtsstreit mit Michael Kölmel, drückt den Fußball-Zweitligisten nämlich derzeit ein Haushaltsdefizit von mindestens 2,5 Millionen Euro. „Ich werde ein sehr strenger Finanzregent sein“, erklärte Metzger daher gegenüber dem Online-Magazin Ka-News. Allerdings will der neue KSC-Obere nicht nur an der Kostenschraube drehen. „Ein Defizit heißt nicht immer sparen. Wir müssen unsere Anstrengungen verstärkt auch darauf verwenden, dass unsere Einnahmen bundesligatauglich werden“, so Metzger.
Nach Informationen dieses Magazins soll es sich dabei alleine im Vermarktungsbereich um ein Defizit von rund einer Million Euro handeln. Wer diese Lücke in Zukunft ausgleichen soll – sprich, wer sich ab der Rückrunde um die Werbevermarktung des Clubs kümmert – ist derzeit jedoch noch ungewiss. Derzeit verantwortet Erwin Finkbeiner die Vermarktungsgeschicke beim KSC und kümmert sich zusammen mit seinem fünfköpfigen Team der Agentur CS-Marketing auf Provisionsbasis um den Vertrieb der Sponsoringpakete.
KSC-Präsident plädiert für Full-Service-Lösung
Der Vertrag mit CS-Marketing läuft jedoch nur noch bis Jahresende. Wie es anschließend weitergeht, steht derzeit noch in den Sternen. „Hinsichtlich der grundsätzlichen Frage, ob wir die Marketingaufgaben jetzt nach außen abgeben oder doch beim KSC behalten, haben wir nicht entschieden und sondieren noch“, sagt KSC-Vizepräsident Rolf Hauer. Präsident Metzger wird da schon genauer und übt dabei unterschwellig auch Kritik an der einstigen Vereinsführung: „Das Präsidium ist seit 06.11.2009 im Amt. Es wäre schön und wichtig gewesen, wenn diese substantielle Entscheidung nicht auch unter Zeitdruck stünde.“ Er selbst favorisiert derzeit eine „Full-Service-Lösung“, also eine Komplettvermarktung von Werberechten, Ticketing und Merchandising aus einer Hand.
Dass die Zeit von Finkbeiners CS Marketing beendet ist, wollen beide KSC-Funktionäre weder bestätigen noch dementieren. Allerdings bleibt der Kreis der potenziellen Agenturen, Metzgers Aussage nach zu urteilen, überschaubar. Oder wer sonst – außer den großen Vermarktungsagenturen – könnte ein solch umfangreiches Sportmarketingportfolio für einen Club aus einer Hand anbieten? Dafür spricht außerdem, dass der KSC bereits in der Vergangenheit unter anderem mit den Sportrechteagenturen Sportfive, Infront, IMG und Kentaro über einen Vermarktungsauftrag gesprochen haben soll.
EnBW vor Ausstieg?
Es wird deutlich: die Zeit drängt. Das ist sich auch Rolf Hauer bewusst: „Wichtige Aufgaben wie das Finden eines neuen Hauptsponsors stehen an, so dass wir uns hier beeilen müssen“, so der neue KSC-Vize. Dass die EnBW jedoch in Zukunft weiterhin auf der Brust des badischen Zweitligisten wirbt, scheint allerdings immer unwahrscheinlicher. Auf Seiten des Energiekonzerns hält man sich diesbezüglich zwar zurück und will auch auf mehrmalige Nachfrage „sich nicht zu Spekulationen äußern“. Offener ist hingegen Rolf Hauer und spricht Tacheles: „EnBW empfand ich immer als verlässlichen Partner, und daher bedauere ich es sehr, dass die Zusammenarbeit möglicherweise doch zum 30. Juni 2010 enden wird. Ein neuer Hauptsponsor muss gefunden werden.“
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