Herthas Situation war schon vor dem Spiel in Hoffenheim nicht entspannt. Fünf Liga-Pleiten in Folge, Pokal-Aus bei 1860 und in der Europa League das mäßige 1:1 gegen Ventspils. Deswegen reiste der Berliner Tross schon freitags Richtung Hoffenheim, nahm einen Psychologen zur Hilfe, doch heraus kam eine 1:5-Klatsche, die Trainer Lucien Favre völlig sprachlos zurückließ. Manager Michael Preetz war ebenso geschockt und mahnte dringenden Gesprächsbedarf an.
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Auf der offiziellen Pressekonferenz wollte Trainer Lucien Favre auf die Fragen der Medienvertreter nicht antworten. "Ich habe nach diesem Spiel nichts zu sagen - kein Kommentar", so der Schweizer, der zumindest durchblicken ließ, dass mit der aktuellen Situation keiner zufrieden sei. Auch im Interview beim Bezahlsender Sky gab sich der 51-jährige Coach äußerst wortkarg. "Das ist klar", sagte Favre auf die Frage, ob er Ideen habe, wie er die Mannschaft wieder nach vorne bringen könnte.
Den Gedanken an einen Rücktritt, den Favre schon nach den vorangegangenen Niederlagen kategorisch ausschloss, hatte er auch nach dem wahrlich desaströsen Auftritt bei der TSG nicht.
Die Vorsätze hielten 44 Sekunden
Besonders die Anfangsphase machte die Berliner Verantwortlichen ratlos. "Wir haben sehr viel probiert, Impulse zu setzen, der Mannschaft Vertrauen und Sicherheit zu geben. Wir waren kaum auf dem Platz und sind dann 1:0 in Rückstand geraten. Da ist natürlich alles über den Haufen geworfen, was wir uns vorgenommen haben", sagte Manager Michael Preetz, der sich nach Spielschluss in der Umkleide lange besprach und telefonierte. Nach 44 Sekunden lag die Hertha zurück, "da hat sich die Spirale weitergedreht - leider in die falsche Richtung", so Preetz weiter.
Dabei war dem Nachfolger des langjährigen Managers Dieter Hoeneß schon anzumerken, dass ihm der unerwartet schlechte Saisonstart und Platz 18 zusetzt. "Wir müssen jetzt alle an einen Tisch kommen und analysieren, wie wir herauskommen", so Preetz, der die Niederlage gegen Hoffenheim als "herben Rückschlag" bezeichnete.
"Wir müssen an einen Tisch kommen, wir müssen analysieren, was in dieser Situation das Richtige ist, um uns aus dieser Misere zu befreien." Hertha-Manager Michael Preetz
Bei der anstehenden Analyse wird es auch um die Rolle von Trainer Lucien Favre gehen. Einen Treueschwur wollte Preetz für Favre nicht abgeben, bat dafür jedoch um Verständnis, das er "dies nach diesem Spiel jetzt nicht tun" wolle. Preetz sagte: "Lucien Favre ist ein hervorragender Trainer. Wir müssen an einen Tisch kommen, wir müssen analysieren, was in dieser Situation das Richtige ist, um uns aus dieser Misere zu befreien."
Die Herthaner spielen am kommenden Donnerstag in der Europa League bei Sporting Lissabon, danach wartet im Olympiastadion am Sonntag der Spitzenreiter Hamburger SV, ehe es nach der Länderspielpause zum aktuellen Drittletzten 1. FC Nürnberg geht.
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