Freitag, 25. September 2009

Korruption im Sport - Verbrechen und Spiele

Weil der Sportsektor rechtlich eine Grauzone ist, breitet sich dort die Kriminalität immer mehr aus. Eine internationale Organisation versucht nun, aufzuräumen.
Der Sport schaffe "bei der Finanzierung, der Sorgfaltsprüfung, in der Kultur und bei den Strukturen ein Umfeld, das verführerisch für Geldwäsche durch organisierte Kriminalität ist", schreibt Transparency International (TI). Die Nichtregierungsorganisation hat jetzt ein Arbeitspapier zur Korruption im Sport vorgelegt. Dieses Dokument, maßgeblich von der deutschen TI-Chefin und langjährigen Sportfunktionärin Sylvia Schenk erarbeitet, stellt erstmals einen Rahmen für sämtliche nationalen Verbände von Transparency International dar.
"Angesichts der Gelegenheiten, schmutziges Geld zu investieren und kleine Summen in große zu verwandeln, kann dies letztlich alle Sportbereiche betreffen", heißt es dort weiter. Sportorganisationen beweisen "generell wenig Transparenz, wenn es darum geht, wichtige Informationen und Dokumente öffentlich zu machen". Geld werde innerhalb der Sportverbände "oft ohne oder nur mit geringer Aufsicht verteilt, sodass Korruptionsrisiken entstehen".
Schwerpunktmäßig behandelt das Papier die Bereiche: Wettbetrug, Einfluss der organisierten Kriminalität, demokratische Führung von Verbänden, Transferfragen, Sponsoring, Korruption in Medien sowie Korruption bei Baumaßnahmen im Zusammenhang mit sportlichen Großereignissen wie Olympischen Spielen oder Welt- und Europameisterschaften im Fußball. Transparency International ist in mehr als 90 Ländern aktiv, mit dem Thema Sport befasste man sich bislang in Maßen in Kenia, Argentinien, der Schweiz, Deutschland, Italien und Norwegen. Nun steuerten auch Dänemark, Tschechien, Kamerun, Südafrika, Polen und die Ukraine Informationen bei - wobei letztere drei Länder die nächsten großen Fußballmeisterschaften ausrichten: die WM 2010 und die EM 2012.

Dem Thesenpapier fehlt es allerdings an Systematik. Es erinnert über weite Strecken an eine schlecht sortierte Presseschau der vergangenen Jahre. Die Auswahl der erwähnten Korruptionsfälle leuchtet nicht ein. Der Adressat wird nicht genannt. Dabei hatte schon 2005 das norwegische Chapter von TI gemeinsam mit der Kommunikationskonferenz "Play the Game" einen Forderungskatalog zur Korruptionsbekämpfung im olympischen Weltsport vorgelegt. Vor zwei Jahren hatte der IOC-Vizepräsident Richard Pound (Kanada) die Einrichtung einer Welt-Anti-Korruptions-Agentur analog zur Welt-Anti-Doping-Agentur angeregt. Verbündete für diese Idee fand er im IOC allerdings nicht.
Am Rande der Jahrestagung der Kriminologischen Gesellschaft hat deren Vorsitzende Britta Bannenberg vergangene Woche erneut die mangelnde Korruptionsprävention im Sport kritisiert. Sie sprach von einer "klandestinen Struktur des schweigenden Sports". Im Deutschlandfunk sagte Bannenberg, Juristin an der Universität Gießen: "Ich entdecke starke Parallelen zwischen der organisierten Wirtschaftskriminalität, Korruption und Sportstrukturen." Bannenberg setzt sich seit Langem für den Straftatbestand Sportbetrug ein. "Mich wundert, dass die Sportverbände sich in keiner Weise mit Whistleblower-Systemen, anonymen Meldesystemen und Ombudsleuten auseinandersetzen", sagte sie.
Wolfgang Schaupensteiner, Deutschlands bekanntester Korruptionsbekämpfer, wies auf rechtliche Probleme hin: "Vieles, was als Korruption im Sport wahrgenommen wird, etwa Schiedsrichterbestechung, ist im Strafgesetzbuch einfach nicht abgebildet", sagte er, "Korruption im Sport ist im deutschen Strafrecht, anders als in anderen Ländern, nicht strafbar."

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