Donnerstag, 24. September 2009

UEFA vermarktet Rechte an EURO 2012 in Eigenregie

Überraschung bei der Vergabe der Medienrechte für die Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine: Der europäische Fußballverband UEFA hat sich komplett gegen einen Zwischenhändler entschieden und stattdessen umfangreiche Verträge direkt mit der Europäischen Rundfunk-Union (EBU) geschlossen.

Die exklusive Vereinbarung deckt insgesamt 36 UEFA-Mitgliedsstaaten ab (siehe Übersicht unten). Ausgeschlossen sind allerdings die fünf lukrativsten Kernmärkte Deutschland, England, Spanien, Frankreich und Italien, mit denen die UEFA einzeln verhandeln will. Nach SPONSORs-Informationen haben die Gesamtrechte für Europa einen Wert von zirka 800 Millionen Euro. Da das TV-Vermarktungsvolumen der fünf großen Fußballnationen etwa 450 Millionen Euro ausmacht, dürfte der mit der EBU geschlossene Vertrag der UEFA bis zu 350 Millionen Euro einbringen.

Im Rahmen des vereinbarten Kontraktes zwischen EBU und UEFA werden in 29 Ländern mindestens 27 der 31 Turnierspiele im Free-TV empfangbar sein. Das gleiche gilt für Magazinformate und Highlight-Sendungen. Zudem wird das Turniergeschehen über Internetportale und Mobilfunkplattformen der offiziellen Übertragungspartner sowie der Radiostationen der EBU-Mitgliedsländer gesendet. In sieben weiteren Ländern sind UEFA und EBU aktuell noch gemeinsam dabei, die geeignete Möglichkeit für die Übertragungsrechte zu finden (siehe unten).

Agenturen bleiben außen vor

Das UEFA-Recht galt in Vermarkterkreisen – trotz des Entschlusses des europäischen Fußballverbandes ihre Sahnestücke in Eigenregie zu vermarkten – als äußerst begehrtes Mandat. Bei der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz hatte zuletzt die Hamburger Agentur Sportfive im Auftrag der UEFA die Verträge mit den einzelnen europäischen TV-Anstalten ausgehandelt. Zu den Interessenten für die EM 2012 sollen neben Sportfive auch Ufa Sports und IMG gezählt haben.

Umso zufriedener zeigt sich nun die Vereinigung der öffentlich-rechtlichen Anstalten: „Ich bin sehr glücklich, dass wir uns mit der UEFA auf die Rechte der EURO 2012 einigen konnten“, erklärt EBU-Präsident Jean-Paul Philippot. „Die EBU ist außerordentlich begierig darauf, dieses einmalige und spektakuläre Event zu unterstützen. Der Vertrag stellt der UEFA eine starke und zuverlässige Übertragung der EBU zur Verfügung und wir sollten im der Lage sein, die Weiterentwicklung dieses Wettbewerbs sowie des Fußballs insgesamt zu fördern.“

UEFA-Generalsekretär David Taylor scheint davon überzeugt: „Die EBU-Mitglieder sind erfahrene Partner im Bereich der Übertragung großer Sportveranstaltungen, und ihr Fachwissen sowie ihre Marktführerschaft wird für die Zuschauer in Europa von Vorteil sein. Die Tatsache, dass wir ein Jahr vor Beginn der Qualifikation zur Endrunde bereits eine so weitreichende Plattform für die Übertragung zur Verfügung haben, ist höchst positiv für die Entwicklung des europäischen Fußballs, und sie wird dabei helfen, für die UEFA EURO 2012 zu werben.“



Zugesicherte Rechte: über den EBU-Vertrag (29 Länder)

Albanien
Armenien
Belgien
Bosnien-Herzegowina
Bulgarien
Estland
Mazedonien
Finnland
Georgien
Griechenland
Island
Kroatien
Lettland
Liechtenstein
Litauen
Luxemburg
Malta
Moldawien
Montenegro
Österreich
Republik Irland
Rumänien
Russland
Schweiz
Serbien
Slowenien
Türkei
Weißrussland
Zypern



Noch zu vergebene Rechte: in Kooperation UEFA/EBU (7 Länder)

Aserbaidschan
Israel
Kasachstan
Portugal
Slowakei
Tschechische Republik
Ungarn

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