Montag, 18. Oktober 2010

Mehr zum Thema Sportwetten im Handball: HSV eifert Flensburg nach


In der Toyota Handball Bundesliga (HBL) hat der nächste Club einen Vertrag mit einem privaten Sportwettenanbieter abgeschlossen: Nach der SG Flensburg-Handewitt ist nun auch der HSV Handball auf den Zug aufgesprungen.

Wie das Pendant aus Flensburg wirbt auch der amtierende HBL-Vizemeister und DHB-Pokalsieger für Bet-at-Home. Der österreichisch-deutscher Anbieter ist ab sofort als Partner im Platin-Club aktiv, der der zweiten Sponsorenebene bei den Hanseaten entspricht. Im Zuge des Engagements wirbt der Sportwettenanbieter unter anderem auf TV-relevanten Banden und auf Bodenaufklebern in der Hamburger O2 World.

Damit kommt der von Experten prognostizierte Dominoeffekt bei Vertragsabschlüssen mit privaten Sportwettenanbietern weiter in Fahrt. Auch in der Fußballbundesliga hat mit der TSG 1899 Hoffenheim bereits ein Verein die unklare juristische Situation ausgenutzt, nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) das Glücksspielmonopol in Deutschland zu Fall gebracht hatte 

Der FC Liverpool ist verkauft - trotzdem gibt es weiter Ärger


Das Gezerre um den FC Liverpool scheint ein Ende gefunden zu haben: Der Verkauf des Clubs an die New England Sports Venture (NESV) ist perfekt. Dennoch geben die alten Eigner Tom Hicks und George Gillett keine Ruhe - und stellen horrende Forderungen.
Zu einem Preis von umgerechnet rund 350 Millionen Euro soll der FC Liverpool seinen Besitzer gewechselt haben. Damit konnte der fünfmalige Champions-League-Sieger am vergangenen Freitag einen Kredit von 270 Millionen Euro an die Royal Bank of Scotland (RBS) zurückzahlen und einen Abzug von neun Punkten vermeiden.
Liverpools Vorsitzender Martin Broughton zeigte sich nach dem Verkauf erleichtert. „Jeder Fußballfan weiß, dass die nervenaufreibendste Art, ein Spiel zu gewinnen, das Elfmeterschießen ist. Aber es lohnt sich, wenn am Ende das richtige Resultat steht“, sagte Broughton und fügte hinzu: „Wir haben das richtige Resultat.“

Ausgestanden ist die Angelegenheit aber noch lange nicht, auch wenn sich der unabhängige dreiköpfige Vorstand der „Reds“ in einer ersten Stellungnahme „überglücklich“ zeigte. Die beiden US-Amerikaner Hicks und Gillett fordern einen Schadenersatz in Höhe von umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro und kündigten an, „jeden Rechtsweg auszureizen“, um das Geld zu erhalten.

Sie argumentierten, dass der Verkaufspreis weit unter dem wahren Marktwert des Klubs liege und sprechen von einem „epischen Schwindel“ und einer „organisierten Verschwörung“. Ihr Anwalt Steve Stodghill erklärte dazu gegenüber der BBC: „Dieses Ergebnis mindert den Wert des Klubs und wird in langwieriger Unsicherheit für Spieler, Fans und alle Anhänger enden.“ Nach Angaben des Anwalts seien Hicks und Gillett bereit gewesen, die Schulden bei der RBS zu begleichen um ein Insolvenzverfahren zu vermeiden.

Erster Fußballbundesligist schließt Vertrag mit privatem Sportwettenanbieter ab


Der Damm ist gebrochen: Mit der TSG 1899 Hoffenheim hat der erste Fußballbundesligist mit einem privaten Sportwettenanbeiter einen Vertrag unterzeichnet, nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden hatte, dass das deutsche Glücksspielmonopol nicht mit EU-Recht vereinbar ist. Weitere Abschlüsse scheinen nun nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

In der Partie gegen Borussia Mönchengladbach waren keine 60 Sekunden gespielt, als die Zuschauer in der Rhein-Neckar-Arena und an den Fernsehschirmen den Schriftzug „Tipico Sportwetten“ auf der LED-Bande zu sehen bekamen. Tipico, ein maltesischer Anbieter von Sportwetten und Casinogames, ist in den vergangenen Jahren vor allem in Deutschland enorm gewachsen, auch weil das Online-Wettangebot durch ein Netz von realen Wettbüros ergänzt wurde.

Mit der TSG 1899 Hoffenheim hat damit ein weiterer Profisportclub in Deutschland die unklare Rechtslage nach dem EuGH-Urteil im Bezug auf das Werbeverbot von privaten Sportwettenanbietern ausgenutzt und einen Vertrag abgeschlossen. Zuvor hatte der Toyota-Handball-Bundesligist SG Flensburg-Handewitt mit Bet-at-Home abgeschlossen.

Der Vertragsschluss von Hoffenheim überrascht insofern, weil die DFL an alle Clubs ein Empfehlungsschreiben ausgesandt hatte, vorerst nicht auf „eigene Faust“ Verträge mit privaten Wettanbietern abzuschließen, da die Rechtslage nach wie vor unklar ist. Eine Kettenreaktion scheint nun aber vorprogrammiert, da Clubs wie Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund zumindest unterschriftsreife Verträge in den Schubladen haben sollen und kurz vor der Verkündung der Engagements stehen.

Dominoeffekt bei Sportwetten droht

Mit dem Kontrakt zwischen der SG Flensburg-Handewitt und Bet-at-home hat alles angefangen, nun könnte den Vertragsabschlüssen mit privaten Sportwettenanbietern Tür und Tor geöffnet sein. So zumindest prognostiziert es der Jurist Wulf Hambach (Foto).

Hambach, Gründungs- und Managing-Partner der auf Glücksspielrecht spezialisierten Kanzlei Hambach & Hambach, äußerte gegenüber SPONSORs die Vermutung, dass es nach dem Flensburger Vertragsabschluss „nun einen Dominoeffekt geben wird”. Demnach ist es nur eine Frage der Zeit bis auch andere deutsche Clubs Sponsoringvereinbarungen mit privaten Sportwettenanbietern schließen und damit auch an die Öffentlichkeit gehen.

Hört man sich in der Branche um, sollen diverse Vereine unterschriftsreife Verträge in der Schublade liegen haben. Neben der nach wie vor ungeklärten rechtlichen Frage, scheuen einige Clubs den Schritt offenbar noch, weil die Ligenvertreter mit Empfehlungsschreiben an die Vereine eindringlich vor zu schnellen Abschlüssen warnen.

Nach Meinung von Hambach, ein Prozess, der sich kaum aufhalten lässt, weil der wirtschaftliche Druck bei den Wettenanbietern einfach zu groß sei, sich gegenüber der Konkurrenz vorteilhaft zu positionieren. „Ich hoffe, dass der Damm jetzt noch nicht bricht”, so Hambach. Brechen wird er aber auf jeden Fall, ist sich der Glücksspielrechtsexperte sicher.

Mittwoch, 19. Mai 2010

Projekt „One Ocean Club“ gescheitert




Für Werner von Moltke und Leo Kirch ist das Projekt „One Ocean Club“ (OOC) schon knapp drei Wochen vor der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft gescheitert. Zusammen hatten die beiden Geschäftspartner zwei Luxus-Kreuzfahrtschiffe gemietet, um Hospitality-Gästen im Zuge der WM in Südafrika nach eigenen Angaben ein „Rundumsorglospaket“ zu bieten. Nun wurde das Projekt komplett abgeblasen.

Scheinbar hatten Werner von Moltke und Leo Kirch, die beide je 50 Prozent an der Unternehmung OOC halten, ihre Rechnung ohne die Griechenland-Krise gemacht. Aufgrund des Staatsbankrotts der Helenen sollen in den vergangenen Tagen zahlreiche große Firmen ihre Buchungen bei OOC storniert haben. Nach Informationen des Handelsblatt waren daher zuletzt lediglich rund 40 Prozent aller Kabinen auf den gecharterten Kreuzfahrtschiffen vermietet. Über die Hälfte der schwimmenden Zimmer drohten damit während der WM leer zu bleiben, woraufhin von Moltke und Co. offenbar die Reisleine zogen und das Projekt aufgaben. Insider wollen wissen, dass One Ocean Club damit einen Verlust in Höhe eines zweistelligen Millionen-Betrags zu beklagen hat.

Mit zwei Kreuzfahrtschiffen – der MS Noordam und der MS Westerdam – wollte One Ocean Club im Rahmen der FIFA WM 2010 bei insgesamt 19 Vorrundenspielen in Durban und Port Elisabeth sowie bei drei Finalpartien in Kapstadt anlegen und den Gästen im rund um die Uhr bewachten Hafen den größtmöglichsten Schutz gewährleisten. Einen stattlichen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag für Schiffcharter, Liegeplatz- und Restaurantkosten sowie Versicherungen hatte das Gespann in die Hand genommen. Im Gegenzug verlangte OOC pro Kabine für ein Drei-Tages-Paket inklusive Transfers zu den Spielen, Verköstigung und Dauerbewachung des Schiffs zwischen 1090 und 3500 US-Dollar. WM-Karten sowie die Flüge nach Südafrika und zurück waren im Preis zunächst nicht inbegriffen. Dafür hätte es pro Schiff unter anderem vier Restaurants, elf Bars, eine Disko und ein Spielcasino gegeben – für den Notfall auch eine eigene Krankenstation.

Anfang Februar: Ein Viertel der Kabinen gebucht


Im Februar hatte Werner von Moltke noch optimistisch geklungen. Und das, obwohl zu diesem Zeitpunkt lediglich ein Viertel der insgesamt 955 Kabinen pro Schiff vermarktet waren. Der Sohn des amtierenden Präsidenten des Deutschen Volleyball-Verbandes (DLV) hielt jedoch an seinem Konzept fest und ging sogar noch weiter: Seit Anfang des Jahres verkaufte OOC seine Pakete nämlich auch gezielt auf dem deutschen Markt. Dazu gingen von Moltke und Co. eine Partnerschaft mit dem Reiseveranstalter Pro Event Travel ein, der sich dafür als fünftes Unternehmen den Status „offizieller Reiseanbieter“ auf dem hiesigen Markt erkauft hatte. Ingesamt neun Pakete inklusive Flug, Übernachtung,  Ticket und Rahmenprogramm wurden auf den Markt gebracht und bei zwei davon sogar mit Wettbewerber Dertour kooperiert.

Auch wenn das Unternehmen scheinbar versucht hat, alle Register zu ziehen, scheiterte das Projekt nun drei Wochen vor der WM. Verständlich, dass Richard Meadows vom Schiffseigentümers Holland America Line enttäuscht ist, dass es „mit Südafrika nicht wie geplant geklappt hat“. Während die MS Noordam nun erst einmal aufs Trockendock zu Wartungsarbeiten geparkt wird, gibt es für die MS Westerdam wenigstens ein kleines Trostpflaster. Sie darf nach Südafrika fahren und soll europäische Gäste ans Kap schiffen.

Arminia Bielefeld kann nicht mehr auf Stadt bauen




Schwerer Rückschlag für den finanziell klammen Fußballzweitligisten DSC Arminia Bielefeld: Die Stadt Bielefeld darf dem Club weder eine Bürgschaft noch Kredite geben. Wäre die Finanzlage der Westfalen nicht prekär genug, macht dem Club nun auch noch die Klage ihres ehemaligen Geschäftsführers zu schaffen.

Wie nun bekannt wurde, darf die Stadt Bielefeld der Arminia weder eine Bürgschaft leisten noch Kredite geben. Das geht aus einer Stellungnahme der Bezirksregierung hervor. Ob die Stadt dem Club in einer anderen Form helfen könnte, ist derzeit noch offen.

Der Fußball-Zweitligist muss laut Deutsche Fußball Liga (DFL) bis zum 2. Juni dieses Jahres ein Finanzloch von zwölf Millionen Euro schließen. Der Plan des noch bis Juni amtierenden Arminen-Präsidenten Hans-Hermann Schwick sah vor, dass der Club drei Millionen Euro „durch eigene Einsparungen einholen“ und drei Millionen von der ostwestfälischen Wirtschaft erlösen wollte. Weitere sechs Millionen Euro sollten von der Stadt Bielefeld getragen werden.

Kentsch klagt gegen fristlose Kündigung


Derweil sieht sich Arminia zusätzlich einer Klage ihres ehemaligen Geschäftsführers Roland Kentsch ausgesetzt. Dieser war im Juni 2009 als Geschäftsführer der beiden Vereinstöchter DSC Arminia Bielefeld Management GmbH und der Planet Arminia GmbH freigestellt worden. Allerdings hatte Kentsch bereits im März dieses Jahres seine neue Tätigkeit als Geschäftsführer des MSV Duisburg angetreten. Woraufhin ihm die Arminia die fristlose Kündigung ausgesprochen hatte. Kentsch, der offenbar eine Lücke im Vertrag entdeckt hat, verklagt nun seinen ehemaligen Arbeitgeber auf ausstehende Bezüge bis zum eigentlichen Vertragsende im Juni 2012 von rund 450 000 Euro.

Aus Bielefeld hieß es dazu: „Wir werden uns mit der in der Klage formulierten Forderung von Herrn Kentsch juristisch auseinandersetzen. Da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt, bitten wir um Verständnis, dass wir die Klage öffentlich nicht weiter kommentieren werden“, so Norbert Leopoldseder, der Aufsichtsratsvorsitzende der DSC Arminia Bielefeld GmbH & Co. KGaA.

Bundesligavereine wirtschaftlich nur Mittelmaß




Eine aktuelle Untersuchung besagt: Trotz hoher Ausgaben für Gehälter und Transfers wirtschaften die europäischen Spitzenclubs häufig besser als die führenden Vereine der Fußballbundesliga.Der diesjährige Champions-League-Halbfinalist Olympique Lyon steht unter Europas Fußballvereinen wirtschaftlich am besten da. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Bilanzexperten Karlheinz Küting von der Universität Saarbrücken. Am zweitbesten schneidet der spanische Rekordmeister Real Madrid ab, der deutsche Meister FC Bayern München landet auf Platz drei. Schlusslichter dieser Rangliste sind Juventus Turin, Schalke 04 und der FC Chelsea.
Für das ZDF-Magazin „Frontal 21“ hatte Küting die Geschäftszahlen der umsatzstärksten Fußballclubs Europas unter Berücksichtigung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen wie Schuldenstand, Eigenkapitalquote, Jahresüberschuss und Umsatzrentabilität unter die Lupe genommen. „In vielen Punkten sind die ausländischen Vereine für unsere Bundesliga vorbildlich“, lautet Kütings Fazit.
Von Seiten verschiedener Bundesligavertreter war bereits im Zuge der Financial-Fairplay-Diskussionen in der Vergangenheit immer wieder Kritik an Vereinen geübt worden, die teure Spieler „auf Pump“ kauften und so den Wettbewerb verzerrten. Im „Frontal 21“-Interview griff der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, nun konkret die Geschäftspolitik von Real Madrid an. 250 Millionen Euro für Spielereinkäufe auszugeben, sei grenzwertig, so der Bayern-Chef. Diese Kritik an Real hält Kunert hingegen für unbegründet. Betrachte man auch Gesamtkapital und Eigenkapital seien „die Königlichen“ trotz immenser Transferausgaben ein höchst profitabler Verein, der sich im Vergleich zu Bayern sehr gut sehen lassen könne.