Mittwoch, 26. August 2009

1. FC Union Berlin trennt sich von Hauptsponsor ISP

So überraschend er erst vor zwei Monaten kam, so überraschend muss er nun schon wieder gehen: Der Fußballzweitligist 1. FC Union Berlin hat sich von seinem Hauptsponsor ISP getrennt. Was mit dem bereits gezahlten Geld passiert, ist unklar. Sicher hingegen: Die Suche nach einem neuen Hauptsponsor geht für Union wieder von vorne los.

„Das Präsidium und der Aufsichtsrat des 1. FC Union Berlin haben am Montag beschlossen, die Zusammenarbeit mit dem Hauptsponsor ISP zu beenden“, teilte der Club auf seiner Internetseite mit. Somit ist der für Zweitliga-Verhältnisse außerordentlich gut dotierte Kontrakt, der dem Verein bis 2014 insgesamt zehn Millionen Euro hätte einbringen sollen, vorzeitig geplatzt. Erst vor rund zwei Monaten hatte der Club seinen neuen Sponsor offiziell vorgestellt.

„Falsche Angaben des Vertragspartners“

Grund der Trennung seien „falsche Angaben des Vertragspartners beim Zustandekommen des Vertrages“, wie die Union-Verantwortlichen weiter ausführen. Vereinspräsident Dirk Zingler sagte: „Eine weitere Zusammenarbeit war unter diesen Umständen, auch unter Berücksichtigung der rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen für den Verein, nicht möglich.“

Zuvor hatte das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ ausführlich über die Stasi-Vergangenheit des ISP-Aufsichtsratschefs Jürgen Czilinsky berichtet. Der hatte zwar noch vor der Verkündung der Trennung durch die Union-Spitze seinen Rücktritt erklärt, um einen möglichen Imageschaden vom Verein abzuwenden, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Doch auf die Entscheidung des Clubs hatte dies offensichtlich keinen Einfluss. Medienberichte zufolge sollen sich auch ein Großteil der Union-Fans gegen eine weitere Zusammenarbeit des Clubs mit dem früheren Stasi-Hauptmann ausgesprochen haben. Bereits zu DDR-Zeiten sah sich der 1. FC Union immer als „Alternativ-Verein“ zum vom Ministerium für Staatssicherheit geführten BFC Dynamo.

ISP-Geschäftsführer Dieter Fietz erklärte: „Ich bedauere diese Entwicklung sehr, denn ich wollte mit der ISP dazu beitragen, dass der 1. FC Union sich sportlich stabilisieren und wirtschaftlich auf ein gesundes Fundament bauen kann.“

Der 1. FC Union Berlin hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) nach eigenen Angaben vorab über diesen Schritt informiert. Der Spielbetrieb des Vereins in der laufenden Saison bliebe davon unberührt, da die im Lizenzierungsverfahren eingereichte Etatplanung den ISP-Vertrag nicht beinhalte. Christian Müller, DFL-Geschäftsführer Finanzen und Lizenzierung, sagte in der „Berliner Morgenpost“: „Wir müssen uns jetzt mal anschauen, welche finanziellen Folgen die Kündigung hat. Wir waren mit Union in ständigem Kontakt, weil der Hauptsponsor in der Darstellung seines Geschäftsfeldes Fragen aufgeworfen hat.“

Weitere Beratungen stehen an, Trikotfläche wieder frei

Der Club wollen über den weiteren Fortgang wolle nun „gemeinsam mit ISP beraten“, erklärte Union-Sprecher Christian Arbeit auf Nachfrage. Dazu gehöre auch zu klären, was mit dem Geld passiere, das ISP bereits an Union gezahlt hatte. Zur Höhe der Rate wollte Arbeit keine Angaben machen.

Beim morgigen Freundschaftsspiel der „Eisernen“ gegen den FC Bayern München werde das ISP-Logo jedenfalls nicht mehr auf dem Trikot der Berliner zu sehen sein. Dafür ein „dezenter Hinweis“ auf den Jerseys, so Presse-Mann Arbeit, dass man wieder gesprächsbereit für mögliche neue Partner sei.

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